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Waldkinder gesünder
Seit September gibt es den Waldkindergarten Langenfeld. Die Gruppe zählt bisher zehn, soll aber 15 Kinder aufnehmen. Besonders wichtig ist den Eltern das Aufwachsen ihrer Kleinen in direkter Naturverbundenheit.
Langenfeld „Ich kann mir das noch nicht so ganz vorstellen: Zwei Jahre lang immer im Wald?“, fragte eine verunsicherte Mutter. „Ja, im Wald gibt es so viel zu entdecken, das wird nie langweilig“, erwiderte Anke Bilda, Leiterin des im September eröffneten Waldkindergartens bei der Informationsveranstaltung im Langenfelder Rathaus. - „Das klingt alles so positiv“, bohrte die Mutter, die so schnell nicht abzuwimmeln war, „sagen Sie doch auch mal etwas, das nicht so gut ist.“ Ungläubiges Schweigen. „Dass Sie beim Abholen ein vermatschtes Kind zurück kriegen“, rief eine Frau aus dem Publikum, die selbst schon einen „Waldzwerg“ hat. „Deshalb stehen wir ja auch alle so dahinter“, warf eine weitere Mutter fröhlich ein, „weil uns das alles hier so hundertprozentig überzeugt.“Wahrhaftig. Keine Spur von Zweifeln bei den Eltern, Betreuern, Ärzten und dem Förster: Sie alle haben sich der Sache mit Haut und Haar verschrieben und glauben fest an ihr Konzept. Und vielleicht braucht man auch etwas von dieser Begeisterung, die tatsächlich bei allen zu spüren ist: Eine ganzheitliche Methode verlangt ganze Überzeugung. Mit Verzagtheit ist da nicht viel anzufangen. Die zögernde Mutter, deren Kind erst ein Jahr alt ist, wird sich wohl für einen anderen Kindergarten entscheiden. Dafür finden die „Waldzwerge“ an diesem Abend gleich mehrere neue Anhänger. Eltern, die sich gleich das Anmeldeformular mitgeben lassen.Mit der Natur vertraut
Das Konzept klingt ja auch gut: Kinder gewöhnen sich von früh auf an die Umwelt, entwickeln ein Gemeinschaftsbewusstsein, jenseits der Sterilität von Betonwänden, und entdecken vieles gemeinsam - Stöcke statt Steckdosen, so könnte man sagen. „Sie kennen die Natur viel besser als andere Kinder“, schwärmt Förster Frank Pechtheydn. Aber was ist bei Sturm und Regen? Oder im eisigen Winter? - „Das ist nur für uns Erwachsene ein Problem“, erläutert eine Mutter: „Die Kleinen finden das toll.“ - „Die Kinder sind gesundheitlich robuster“, sagen der Kinderarzt Dr. Holger Muscheid und Logopäde Matthias Halmheu ergänzt: „Sie sind viel seltener krank als Kinder, die sich in überheizten geschlossenen Räumen aufhalten.“ Nur: Sind die Kinder nach zwei Jahren Wald überhaupt schulfähig? Die Frage trifft Alexandra Bücken, Grundschullehrerin aus Remscheid, die das Projekt unterstützt, nicht unvorbereitet: „Die meisten Kinder aus Waldkindergärten haben ein sehr viel besseres Sozialverhalten. Durch Abstimmung lernen die Kinder schon früh Demokratie. Außerdem sind unsere Kinder körperlich geschickter. Und was Mengenlehre oder Längenmaße angeht: Das kann man auch mit Stöcken und Bucheckern üben.“ - Und die Feinmotorik? „Die Kinder haben bei uns ja auch Papier und Stifte.“ - /VON DANIEL GEHRMANN
Quelle:
Verlag: Rheinisch-Bergische Druckerei- und Verlagsgesellschaft mbH
Publikation: Rheinische Post Langenfeld
Ausgabe: Nr.24
Datum: Samstag, den 29. Januar 2005
Seite: Nr.11
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