Wege/Ziele
Komm in den Wald und spür das Leben
Die Idee des Waldkindergartens entstand Ende der 60er-Jahre in Dänemark. Man sah dort die Möglichkeit, Kinder in einem anderen Rahmen zu fördern und ihre Entwicklung naturgemäß zu unterstützen. Auch in Deutschland nimmt die Zahl stetig zu. 1968 gründete Ursula Sube in Wiesbaden den ersten Waldkindergarten, und bis heute wurden ca. 700 Waldkindergärten in Deutschland gegründet.
Konzeption Waldkindergarten
„Liebe und eine respektvolle Haltung den Menschen und der Natur gegenüber sind die Grundvoraussetzung für die Arbeit im Waldkindergarten“. In der pädagogischen Arbeit heißt das für uns, die Gefühle und Vorschläge der Kinder zu akzeptieren und aufzunehmen. Wir beachten individuelle Entwicklungsschritte der Kinder und unterstützen sie dabei durch unsere Begleitung. In der Gruppe herrscht eine entspannte und angstfreie Atmosphäre. Sicherheit und Klarheit bieten verschiedene strukturierende Elemente: der jahreszeitliche Rhythmus, klare Regeln und der Tagesablauf. Der Wald bietet auf ideale Weise den Raum und das Lernfeld für ganzheitliches Lernen und Entwickeln der Kinder.
Motorik
Bewegung und die damit verbundenen Sinnesreize fördern nachweislich die Ausbildung und Reifung des Gehirns (Sprache, Intelligenz). Sie ist Basis für die gesunde und nachhaltige Entwicklung der Kinder (Muskelaufbau, Stärkung des Immunsystems, Gleichgewichtssinns). Grob- und Feinmotorik finden im Wald den idealen Raum zur Entwicklung.
Soziales
Der Freiraum Natur und die „Spielzeugfreiheit“ bringen die Kinder einander näher. Im Rollenspiel, bei Gruppenaktivitäten … bieten sich viele Möglichkeiten die gesamte Bandbreite an Kommunikation zu erfahren und zu erlernen (Kontaktaufnahme, Streit, Gespräche… ). In der Gruppe sind Regeln und Rituale (Morgenkreis, gemeinsames Essen, Feste) wichtig – sie geben Sicherheit und Geborgenheit.
Emotionaler Bereich
Gefühle und Stimmungen müssen Kinder auch erkennen und spüren lernen. Wie geht man mit Freude, Angst, Schmerz, Wut und Langeweile um?
Erfahrungen von Stille sind eine Möglichkeit der Selbstwahrnehmung zum kreativen und produktiven Umgang mit Gedanken und Empfindungen.
Sinneserfahrungen und Naturwissen
Alle Sinne (z.B. fühlen, hören, riechen, sehen, schmecken) werden in einer großen Differenziertheit angesprochen. Die Grundelemente Feuer, Wasser, Erde und Luft werden echt gespürt. Die Kinder erleben den Jahreskreislauf ohne Unterbrechungen. Die Motivation der Kinder zu lernen, zu fragen, zu forschen und zu beobachten wird erhalten durch immer neue Reize und Entdeckungen .Sie regen Fragen und logische Denkprozesse an.
Wir haben unter anderem Bücher zur Bestimmung von Pflanzen, Blumen und Tierspuren dabei.
Kreativität – Phantasie
Nur ein kleines Beispiel dazu: ein Fichtenzapfen kann vieles sein: ein Zwerg, ein Auto, ein Stethoskop beim Kinderarzt, eine Karotte im Kaufladen, ein Mikrofon….
Zu all diesem Reichtum gibt es natürlich noch Papier und Farben, um kreativ zu sein und Lehm und Gräser und Blätter und und …
Kultur – Sprache
Die Inhalte unserer Kultur finden ihren Platz im Waldindergarten genauso wie in Regelkindergärten: wir vermitteln die Technik des Schneidens und Malens, arbeiten mit Werkzeug, achten auf die Kleidung, unsere Rucksäcke und das Werkzeug; wir gestalten einen schönen „Tisch“ bei Geburtstagen.
Und besonders die Märchen, Geschichten, Fingerspiele und Feste haben ein großes Gewicht.
Unser Augenmerk liegt dabei besonders auf der Sprache. Sei es in der Gruppe oder im Einzelkontakt die Erwachsenen begleiten sprechend den Alltag. Die Kinder erleben eine Atmosphäre, in der es Freude macht über Gedanken, Wünsche und Gefühle sprechen zu können. Wir bemühen uns sprachlich ein gutes Vorbild zu sein und geben korrektives Feedback.
Wie fördert der Waldkindergarten die Schulfähigkeit?
Ø Die geringe Gruppenstärke ist für Kinder und Erzieherinnen gut überschaubar und erleichtert die Entwicklung von sozialen Fähigkeiten. Die Gruppe setzt sich aus nicht mehr als fünfzehn Kindern zusammen, die von zwei Erzieherinnen und einer Zusatzkraft pädagogisch begleitet werden. Es bleibt viel Zeit zum Zuhören und für die Beschäftigung miteinander. So bietet der Waldkindergarten günstigste Bedingungen, um einen festen Zusammenhalt zu entwickeln.
Ø Die Konzentration und detaillierte Wahrnehmungsfähigkeit werden intensiv gefördert und im Wald täglich trainiert: Die Grobmotorik wird durch den unebenen Boden und zahlreiche Hindernisse und Klettergelegenheiten geschult. Durch den kreativen Umgang mit entdeckten und gesammelten Naturmaterialien verbessert sich die Feinmotorik, durch Ausflüge zu gesellschaftlichen Gruppen wie Feuerwehr, Polizei etc. erweitert sich der Horizont der Kinder.
Ø Im Wald müssen vermehrt Absprachen getroffen werden (z.B. Entscheidungen, zu welchem Platz die Gruppe geht, wer den Bollerwagen zieht, wer wo welcher Beschäftigung nachgeht etc.). Dabei wird die Sprachfähigkeit intensiv und spielerisch gefördert. Da das Rollenspiel eine zentrale Bedeutung im Spiel der Kinder einnimmt, ist auch hier die Sprache ein wichtiges Medium. Die Kinder lernen dabei anschaulich ihre Ideen und Gedanken zu erklären, anderen zuzuhören und Erlebtes für andere verständlich zu erzählen. Aber auch, sich durchzusetzen und eine eigene Meinung zu vertreten.



