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Im Spielzimmer der Natur – MEDIATHEK – WDR.de

Wenn nicht gerade Windstärke 8 herrscht, verbringen die Waldzwerge aus Langenfeld jeden Tag im Wald. So erleben die Kinder den Wechsel der Jahre"szeiten hautnah. Im Herbst sind natürlich das bunte Laub und Schnecken große Themen."

Dieser Beitrag (siehe Mediathek)  wurde in der aktuellen Stunde am 05.11.2010 ausgestrahlt.

Auf die Bäume, ihr Kinder

Rheinische Post Nr. vom 16.04.2010 Serie Endlich Frühling

Die Waldzwerge vom Wiescheider Waldkindergarten sind bei jedem Wetter draußen. Aber auch sie lieben den Frühling. Bäume werden zu Weltraumstationen, Laubhaufen zu Trampolins umfunktioniert. Von Daniele Catalano Wiescheid Trotz frischer sieben Grad tummeln sich die "Waldzwerge" gut gelaunt imMorgenkreis. Rituale wie das Begrüßungslied gehören zum Alltag der Kinder vom Waldkindergarten am GSV-Platz in Wiescheid hinterm Romantik-Hotel Gravenberg. Nach der Eingangsrunde wird besprochen, was an diesem Tag unternommen werden soll, bevor sich die Gruppe auf den Weg in den Wald macht. An die Natur gewöhnt 18 Kinder im Alter zwischen drei und sechs werden derzeit im Waldkindergarten betreut und an das Leben mit der Natur gewöhnt. Täglich ab 7.30 Uhr haben die Jungen und Mädchen zunächst die Möglichkeit, sich im oder rund um den kita-eigenen Bauwagen herum mit Fundsachen und Gegenständen aus dem Wald zu beschäftigen, bevor der große Bollerwagen gepackt wird.Wasser zum Händewaschen, Bestimmungsbücher und Ersatzkleidung finden in dem Gefährt Platz. "Besonders wichtig ist es, dass die Kinder früh lernen, Absprachen zu treffen und sich an diese dann auch zu halten. So machen wir zum Beispiel allen Waldzwergen als erstes klar, dass man aus dem Wald nichts essen darf und das man auch Pilze nur anschauen, aber nicht anfassen darf", erklärt Erzieherin Nina Bialkowski. "Der Wald bietet immer Überraschungen, er sieht jeden Tag anders aus und regt die Kinder dadurch täglich an, neue Entdeckungen zu machen", sagt ihre Kollegin Karin de Lede. Auf dem Weg zum Lagerplatz stehen jeden Tag verschiedene Aufgaben auf dem Plan, die bewältigt werden müssen. Heute ist "Spuren-Tag". Spuren von Tieren werden gesucht und mit den Erkennungsbüchern bestimmt. "Das war bestimmt der Osterhase", ruft ein kleines Mädchen und gießt stolz den angerührten Gips in die Spur, um einen Abdruck zu machen. Als nächstes steht eine kleine Spielpause an. Drei Jungen haben sich einen Baum ausgeguckt, den sie als Rakete umfunktionieren. Wild klettern sie in den Ästen herum, um Reparaturen durchzuführen, während die Mädchen einen großen Laubhaufen zusammensuchen, um darauf wie auf einem Trampolin zu springen. Nach einer
halbe Stunde ziehen die Waldzwerge weiter. Während die Kinder erzählen, lachen, streiten und sich wieder vertragen, rückt die Essenspause näher. Nach der Ankunft wird der Lagerplatz hergerichtet, werden die Hände gewaschen und die Butterbrote ausgepackt. Nachdem sich alle einen guten Appetit gewünscht haben, liegt eine ungewohnte Ruhe über dem Lagerplatz. "Es liegt an der frischen Luft, dass alle so einen gesunden Appetit haben", meint Erzieherin Nina. Nach dem gemeinsamen Essen wird noch ein bisschen auf einem naheliegenden Abhang gerutscht, bevor es zurück zum Bauwagen geht. Als die Kinder im "Abschlusskreis" erfahren, dass es am nächsten Tag zum "Krakenplatz", wie die Waldzwerge den Ort getauft haben, gehen soll, ist das Freudengeschrei groß. Wie hoch ist wohl der Waschmittelverbrauch einer Familie mit einem Waldzwerg, fragt sich der Außenstehende nach einem Tag im Waldkindergarten noch. Susanne Goy, Mutter von zwei Waldzwergen, sagt: "Der ist nicht viel größer als bei einer Familie mit Kindern in einem konventionellen Kindergarten, es kommt halt auf das richtige Material an."

Interview Von Daniele Catalano

Waldkinder gesünder

Quelle: Rheinische Post Langenfeld
Ausgabe: Nr.24
Datum: Samstag, den 29. Januar 2005
Seite: Nr.11

Seit September gibt es den Waldkindergarten Langenfeld. Die Gruppe zählt bisher zehn, soll aber 15 Kinder aufnehmen. Besonders wichtig ist den Eltern das Aufwachsen ihrer Kleinen in direkter Naturverbundenheit.

„Ich kann mir das noch nicht so ganz vorstellen: Zwei Jahre lang immer im Wald?“, fragte eine verunsicherte Mutter. „Ja, im Wald gibt es so viel zu entdecken, das wird nie langweilig“, erwiderte Anke Bilda, Leiterin des im September eröffneten Waldkindergartens bei der Informationsveranstaltung im Langenfelder Rathaus. – „Das klingt alles so positiv“, bohrte die Mutter, die so schnell nicht abzuwimmeln war, „sagen Sie doch auch mal etwas, das nicht so gut ist.“ Ungläubiges Schweigen. „Dass Sie beim Abholen ein vermatschtes Kind zurück kriegen“, rief eine Frau aus dem Publikum, die selbst schon einen „Waldzwerg“ hat. „Deshalb stehen wir ja auch alle so dahinter“, warf eine weitere Mutter fröhlich ein, „weil uns das alles hier so hundertprozentig überzeugt.“Wahrhaftig. Keine Spur von Zweifeln bei den Eltern, Betreuern, Ärzten und dem Förster: Sie alle haben sich der Sache mit Haut und Haar verschrieben und glauben fest an ihr Konzept. Und vielleicht braucht man auch etwas von dieser Begeisterung, die tatsächlich bei allen zu spüren ist: Eine ganzheitliche Methode verlangt ganze Überzeugung. Mit Verzagtheit ist da nicht viel anzufangen. Die zögernde Mutter, deren Kind erst ein Jahr alt ist, wird sich wohl für einen anderen Kindergarten entscheiden. Dafür finden die „Waldzwerge“ an diesem Abend gleich mehrere neue Anhänger. Eltern, die sich gleich das Anmeldeformular mitgeben lassen.Mit der Natur vertraut
Das Konzept klingt ja auch gut: Kinder gewöhnen sich von früh auf an die Umwelt, entwickeln ein Gemeinschaftsbewusstsein, jenseits der Sterilität von Betonwänden, und entdecken vieles gemeinsam – Stöcke statt Steckdosen, so könnte man sagen. „Sie kennen die Natur viel besser als andere Kinder“, schwärmt Förster Frank Pechtheydn. Aber was ist bei Sturm und Regen? Oder im eisigen Winter? – „Das ist nur für uns Erwachsene ein Problem“, erläutert eine Mutter: „Die Kleinen finden das toll.“ – „Die Kinder sind gesundheitlich robuster“, sagen der Kinderarzt Dr. Holger Muscheid und Logopäde Matthias Halmheu ergänzt: „Sie sind viel seltener krank als Kinder, die sich in überheizten geschlossenen Räumen aufhalten.“ Nur: Sind die Kinder nach zwei Jahren Wald überhaupt schulfähig? Die Frage trifft Alexandra Bücken, Grundschullehrerin aus Remscheid, die das Projekt unterstützt, nicht unvorbereitet: „Die meisten Kinder aus Waldkindergärten haben ein sehr viel besseres Sozialverhalten. Durch Abstimmung lernen die Kinder schon früh Demokratie. Außerdem sind unsere Kinder körperlich geschickter. Und was Mengenlehre oder Längenmaße angeht: Das kann man auch mit Stöcken und Bucheckern üben.“ – Und die Feinmotorik? „Die Kinder haben bei uns ja auch Papier und Stifte.“

VON DANIEL GEHRMANN

Langenfeld: Naturmuffel sind fehl am Platz
Quelle: WZ KREIS METTMANN 11. September 2004

Sangó untersucht gründlich den Pilz mit einer Lupe. Was er wohl alles sieht?

Der Kindergarten wurde in den Wald verlegt. Fünf Kinder können noch mitmachen.

Langenfeld. Der bunte Bollerwagen ist mit Frischwasser, Seife, Materialien und Notfallpack gefüllt Sachen, die  man die nächsten Stunden im Wald braucht.

Die Kinder haben Rucksäcke auf den schmalen Rücken, in denen sich die Frühstücksbrote und Getränke befinden.

Sie drängen zum Aufbruch, doch zunächst wird der Tag mit dem "Morgenkreis", zu dem sich die zehn Dreibis Fünfjährigen aufstellen, und einem Lied begonnen. Gleich darauf erfahren sie, was ihnen an diesem Tag bevorsteht: Basteln und Spielen mit Naturmaterialien.

Der Waldkindergarten hat mit Beginn des Schuljahres seinen Betrieb aufgenommen. Jeden Morgen bringen Mütter   ihre Sprösslinge nach Landwehr, wo hinter dem Romantik-Hotel Gravenberg der Sportplatz des GSV Langenfeld liegt, an dessen äußerstem Ende ein ehemaliger Bauwagen in ein festes Domizil verwandelt wurde, mit einem kleinen Herd für Tee oder Brühe und mit einer Heizung, wenn es in den nächsten Monaten kühl wird.

Aber auch dann hocken die Kinder nicht drinnen, wie Kristina Sirl und Anke Bilda, die beiden Diplom-Pädagoginnen, die von Melissa Pohlmann als Praktikantin unterstützt werden, versichern. "Es ist nicht nur bei solchem Sonnenschein wie in diesen Tagen schön, draußen in der Natur zu sein.

Die Kinder haben auch Spaß im Freien, wenn es regnet, und sind entsprechend ausgerüstet, vor allem mit Gummistiefeln", berichtet Sirl, die einen besonderen Lehrgang als "Walderzieherin" absolviert hat.

Mit Begeisterung haben sie sich in den ersten Tagen dem Thema "Bäume" gewidmet, haben Blätter und Früchte wie Tannenzapfen oder Eicheln gesammelt und an gefällten Bäumen die Jahresringe gesehen, die das Alter bestimmen. "Sie kennen sich in den Baumarten schon ganz aus", hat die Walderzieherin festgestellt.

Birgit Schiemann, eine der Mütter, die sich für den Waldkindergarten zwei Jahre lang eingesetzt haben, hat bereits durch die der neuen Einrichtung vorausgegangenen regelmäßigen Treffen in der Natur, positive Veränderungen bei ihrer Tochter Klara festgestellt: "Sie ist wie alle anderen Kinder glücklich, sich so austoben zu können. Sie sind wesentlich selbständiger geworden und gehen sorgsam mit der Natur um. Sie betrachten jede Spinne und Schnecke aufmerksam."

Von Lothar Müller